Harald Müller-Baur

Dass wir heute Kirchenbücher rund um die Uhr an jeder Ecke der Welt einsehen können, ohne uns mit Terminfindungen, Anreisen und Nutzungsbeschränkungen herumärgern zu müssen, ist vielerorts bereits zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Nur wer einmal Vorfahren in digital noch unerschlossenen Gegenden auftut, wähnt sich plötzlich in die genealogische Steinzeit zurückversetzt. Gerade für Anfänger ist dies ein Kulturschock. Dass wir diese Dienstleistung des Kirchenbuchportals Archion in Anspruch nehmen können, war bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Die Diskussionen um Kosten und Nutzen eines solchen Großprojektes geisterte früher regelmäßig durch das Netz und die genealogischen Medien. Und gerade aufgrund der vielfältigen Widerstände und Hindernisse ist es beachtlich, dass wir nun nach 10 Jahren seit der Freischaltung am 20. März 2015 in Kassel auf mehr als 175.000 Kirchenbücher mit mehr als 30 Millionen Bilddateien Zugriff haben. Kaum jemand hätte diese verhältnismäßig hohe Taktung der Einstellung seinerzeit für möglich gehalten, obgleich es jedem, der noch Lücken findet, nicht schnell genug geht. Gerade unser Thüringer Forschungsgebiet partizipierte in den letzten Jahren ungemein von der fleißigen Vorfeldarbeit und den Digitalisierungsleistungen Archions, weshalb wir uns freuen diese Ehrung einreichen zu können.

Die vorgebrachte Entwicklung ist maßgeblich ein Verdienst Harald Müller-Baurs, welcher seit 2013 als Geschäftsführer der Kirchenbuch GmbH fungiert. Der 1959 geborene Stuttgarter hätte sicher ein ruhigeres Berufsleben führen können, indem er seinen seit 1990 innegehabten Posten beim Landeskirchlichen Archiv daselbst bis zum Renteneintritt fortgeführt hätte, doch nahm er sich mit ganzem Herzblut des neuen Projektes an, schlug Reklame in der genealogischen Welt, akquirierte neue Bestände bei den unterschiedlichen Landeskirchen und forcierte den Aufbau der Plattform. Er hätte wohl die Sache auch einfach laufen lassen können, da die Nutzer sich zu einem gewissen Grad aus dem Interessentenkreis und durch Mundpropaganda ergeben hätten, doch reiste er unermüdlich zu Archiv- und Genealogentagen im In- und Ausland sowie regionalen Treffen und Stammtischen, um das Projekt zu präsentieren.

Zum Jahresende tritt Herr Müller-Baur seinen wohlverdienten Ruhestand an. Seine Teilnahmen am Schwedischen Genealogentag in Västerås wie am Deutschen Genealogentag in Frankfurt/Main werden wohl seine letzten öffentlichen Auftritte in seiner geschäftlichen Position gewesen sein, weshalb der Vorstand der AGT es für sinnvoll und notwendig erachtet hat, ihn für die Ehrung als „Verdienter Genealoge“ vorzuschlagen und ihm damit vor der großen Kulisse des Genealogentages mi einem Dankeschön für seine geleistete Arbeit zu ehren.

(2025 geehrt als „Verdienter Genealoge“ auf Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen e.V.)